Unterschied zwischen Lektor und Korrektor?

Aufgaben eines Lektors und Korrektors

"Liegt das fertige Werk vor, kommt die Feinarbeit. Kleinere (und zu Teilen auch größere) Kanten werden ausgemerzt, der Sprachstil verfeinert, Alternativvorschläge werden gemacht. In vielen arbeitsreichen Stunden fräst sich der Lektor durch das Werk und läßt den Rotstift (oder: den Überarbeitungsmodus seines Schreibprogramms) rotieren. Ist er damit fertig, geht das Werk an den Autor zurück, der die Änderungen zur Kenntnis nimmt und nach Absprache einarbeitet oder überdenkt – und der schlägt nicht selten die Hände über dem Kopf zusammen. Alles rot – wie kann das sein? Ja, ist der Lektor denn noch ganz bei Sinnen?! Oft wird dabei von dem zürnenden Autor ein kleiner aber entscheidender Punkt vergessen: Viele Anmerkungen machen dem Lektor viel Arbeit. Er wird aber im Normalfall pro bearbeiteter Manuskriptseite (1800 Zeichen inklusive Leerzeichen) oder Normseite (1500 Zeichen inklusive Leerzeichen) bezahlt. Und zwar unabhängig davon, wie lange er an dieser Seite sitzt, feilt und brütet. Das fertige Buch ist nach Außen hin in erster Linie der Triumph des Autors. Der Name des Lektors erscheint – wenn überhaupt – in 8 Punkt im Impressum. Dem Ego des Lektors nutzt es also nichts, wenn er viele Anmerkungen macht. Seinem Geldbeutel auch nicht. Viele Anmerkungen zeugen von viel Einsatz des Bearbeiters. Und von seinem Wunsch, aus dem Text des Autors das Bestmögliche herauszuholen. Und das, obwohl ihm im Normalfall niemand dafür lobend auf die Schulter klopfen wird. Im Gegenteil – oft ist ihm stattdessen der Groll des Autors gewiß. Hat der Autor die Überarbeitungen eingelesen (und wenn nötig über strittige Punkte mit dem Lektor konferiert, wobei der Lektor in vielen Fällen für Alternativvorschläge des Autors mehr als ein offenes Ohr hat), geht das Werk ins Endkorrektorat. Der Korrektor schaut noch ein letztes Mal nach Grammatik-, Form- und Rechtschreibfehlern, ehe er es dem Setzer übergibt. Traurig aber wahr: Nicht jedem Werk wird so viel Aufmerksamkeit zuteil. Gerade bei für Reihen produzierte Werke oder "Low Budget" Publikationen bleibt oft so wenig Zeit, daß ein Lektor Wunder vollbringt, wenn er sich dennoch intensiv um Autor und Werk bemüht. Nicht selten ist nur ein Korrekturlauf möglich, und Lektor und Korrektor vereinen sich in einer Person und einem Arbeitsschritt." (Quelle: Federwelt, Zeitschrift für Autoren und Autorinnen, Nr. 43, 2004)

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