﻿{"id":838,"date":"2009-03-31T09:12:23","date_gmt":"2009-03-31T07:12:23","guid":{"rendered":"http:\/\/wallaby.at\/news\/?p=838"},"modified":"2009-10-14T20:29:06","modified_gmt":"2009-10-14T18:29:06","slug":"warnung-vor-communitys-ist-aufruf-zur-selbstzensur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wallaby.de\/news\/marketing\/warnung-vor-communitys-ist-aufruf-zur-selbstzensur-p838.html","title":{"rendered":"Warnung vor Communitys ist Aufruf zur Selbstzensur"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\" itemprop=\"text\">\n<h3>Privacy-Experte und Buchautor Hans Zeger im Interview<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/wallaby.de\/news\/wp-content\/uploads\/image\/web20-hans-zeger.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"240\" align=\"right\" width=\"240\" alt=\"Web 2.0 von Hans Zeger\" src=\"http:\/\/wallaby.de\/news\/wp-content\/uploads\/image\/web20-hans-zeger.jpg\" title=\"web20-hans-zeger\" class=\"size-medium wp-image-839\" \/><\/a>Das Web 2.0 und seine unterschiedlichen Auspr&auml;gungsformen wie Social Communitys, Blogs oder Wikis sind mittlerweile aus dem gesellschaftlichen Alltag der Menschen nicht mehr weg zu denken. Allein die zehn gr&ouml;&szlig;ten Online-Netzwerke beheimaten gemeinsam aktuell rund 950 Mio. Mitglieder weltweit. Entsprechend hoch ist auch die Content-Produktion im Internet, die durch den Siegeszug des &quot;Mitmach-Webs&quot; in ungeahnte H&ouml;hen getrieben worden ist. Angesichts der rasanten Geschwindigkeit, mit der sich die kommunikativen M&ouml;glichkeiten im Web weiterentwickeln, werden Menschen, Gesellschaft und Politik vor v&ouml;llig neue Herausforderungen gestellt. Das am 30. M&auml;rz erscheinende Buch &quot;Paralleluniversum Web 2.0: Wie Online-Netzwerke unsere Gesellschaft ver&auml;ndern&quot; liefert Auskunft &uuml;ber Grundlagen, Ziele und Gesch&auml;ftsmodelle der neuen Internet-Welt. Autor Hans Zeger http:\/\/www.zeger.at &uuml;ber Chancen und Risiken des Web-2.0-Ph&auml;nomens (<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3218007925\/reisefibelnet-21\" title=\"Zu Amazon bestellen von Web 2.0 von Hans Zeger\">bei Amazon zu bestellen<\/a>):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Obwohl der Begriff &quot;Web 2.0&quot; schon seit geraumer Zeit in aller Munde ist, wissen viele Menschen noch immer nicht, was damit gemeint ist. Wie w&uuml;rden Sie dem Durchschnittsnutzer erkl&auml;ren, was unter &quot;Web 2.0&quot; zu verstehen ist?<\/strong> Zeger: Web 2.0 ist die Produktion von Inhalten durch Nutzer f&uuml;r Nutzer. Die Content-Produktion erfolgt dabei auf Plattformen, die den Usern nicht geh&ouml;ren, mit technischen Mitteln, die sie nicht verstehen und in einem rechtlichen und organisatorischen Umfeld, das sie nicht durchschauen.  <\/p>\n<p><strong>Manche sehen im Web 2.0 die &quot;letzte, endg&uuml;ltige Revolution der Informationsgesellschaft&quot;. Andere k&ouml;nnen damit &uuml;berhaupt nichts anfangen. Zu welcher dieser beiden Seiten w&uuml;rden Sie sich eher z&auml;hlen und warum?<\/strong> Zeger: Web 2.0 ist nat&uuml;rlich einerseits ein Marketingschlagwort, genauso wie &quot;billig&quot; oder &quot;bio&quot;. Andererseits b&uuml;ndelt es aber in sehr pr&auml;gnanter Weise die Grundbed&uuml;rfnisse der Menschen und deren zeitgem&auml;&szlig;e Umsetzung. Tagebuchartige Gedanken, politische Meinungen sowie Mio. von Bildern und Videos blieben bisher unbeachtet, da die Menschen keine geeignete Plattform fanden, sich anderen angemessen mitzuteilen. Mit dem Web 2.0 haben die Menschen nun die geeigneten B&uuml;hnen, sich und ihre Meinungen darzustellen. Web 2.0 ist keine &quot;endg&uuml;ltige Revolution der Informationsgesellschaft&quot;, aber offenbar das typische Medienkonzept des Internets, wie das Feuilleton bei den Zeitungen oder das H&ouml;rspiel beim Radio.<\/p>\n<p><strong>Das Web 2.0 hat viele verschiedene Auspr&auml;gungsformen. Besonders beliebt sind die Social Communitys, die mittlerweile nicht nur bei der Jugend Anklang finden. Warum sind die Online-Netzwerke heute so enorm gut besucht?<\/strong> Zeger: Online-Communitys stellen eine ideale B&uuml;hne zur Selbstdarstellung dar. Zu jedem noch so exotischen Hobby und jeder noch so bizarren Neigung finden sich dort Gleichgesinnte. Der Einzelne erh&auml;lt so Best&auml;tigung und Sicherheit in einer Gruppe. Damit werden Grundbed&uuml;rfnisse angesprochen und mit der Web-Technik neu interpretiert. Z&auml;hlt man die weltweit zehn beliebtesten Online-Netzwerke zusammen, kommt man auf etwa 950 Mio. Teilnehmer. Z&auml;hlt man alle Communitys zusammen, werden es mehrere Mrd. sein. Bei insgesamt 1,4 Mrd. Internetbenutzern weltweit ist das ein beachtlicher Wert.<\/p>\n<p><strong>Welche Gefahren bringen Community-Portale f&uuml;r die Menschen mit sich? Zeger: Den Community-Mitgliedern droht von drei Seiten Gefahr.<\/strong> Zum einen von den Betreibern selbst, die die preisgegebenen User-Daten zu kommerziellen Zwecken auswerten. Weiters von Au&szlig;enstehenden, etwa Personalabteilungen, die private Community-&Auml;u&szlig;erungen zur Bewertung beruflicher Qualifikationen heranziehen und drittens von Zeitgenossen, die im Schutz einer relativen Anonymit&auml;t andere Personen anprangern, denunzieren und verleumden. Gegen diese &quot;drei Feinde&quot; muss die Gesellschaft die Community-Teilnehmer sch&uuml;tzen.<\/p>\n<p><strong>Wie gef&auml;hrlich ist die Datenspur, die User dort hinterlassen, wirklich?<\/strong> Zeger: Community-Portale werden heute meist mit dem erhobenen Zeigefinger abgehandelt. Die Diskussion erinnert dabei aber eher an die alten Debatten zur Sch&auml;dlichkeit von Comics, Fernsehen oder Filmen als an eine angemessene Analyse des Web-2.0-Ph&auml;nomens. Sogenannte &quot;Datensch&uuml;tzer&quot;, die vor einer Teilnahme warnen, rufen in Wirklichkeit zur Selbstzensur und Beschr&auml;nkung der eigenen Meinungs&auml;u&szlig;erung auf. Das ist nicht hilfreich. Es geht nicht darum Daten zu sch&uuml;tzen, sondern die Grundrechte der Menschen zu sichern. Eine aufgekl&auml;rte, an Grund- und Freiheitswerten orientierte Gesellschaft muss die Menschen ermutigen, mit neuen Mitteln ihre Meinungen zu &auml;u&szlig;ern und ihr Leben zu gestalten.  <\/p>\n<p><strong>Sicherheitsbeh&ouml;rden und Datensch&uuml;tzer warnen Eltern und Kinder unerm&uuml;dlich vor den Gefahren, die im Web auf sie lauern. Besonders die Communitys sind in diesem Zusammenhang bereits des &Ouml;fteren in die Kritik geraten. Was halten Sie von dem zunehmend lauter werdenden Ruf nach einer st&auml;rkeren Kontrolle derartiger Plattformen?<\/strong> Zeger: Der Ruf der Sicherheitsbeh&ouml;rden und Datensch&uuml;tzer ist nicht ganz uneigenn&uuml;tzig und entspringt einem umfassenden Kontroll- und &Uuml;berwachungsverst&auml;ndnis. Heute wird &uuml;ber Web-2.0-Plattformen t&auml;glich eine unglaubliche F&uuml;lle von Inhalten produziert. Diese gigantische Content-Produktion ist unkontrollierbar und macht allen Kontrolleinrichtungen Angst. Der Versuch eine strengere Pr&auml;ventivkontrolle einzuf&uuml;hren, w&uuml;rde uns aber nur eine Art Nordkorea-Netz bescheren. Wir m&uuml;ssen genau entgegengesetzt handeln und die Meinungsfreiheit f&ouml;rdern. Bl&ouml;dsinn zu reden, falsche Meinungen zu haben, Peinlichkeiten &uuml;ber sich selbst zu verbreiten &#8211; das alles ist ebenfalls ein Teil der Meinungsfreiheit. F&uuml;r die Eltern ist es wichtig, sich mit den Communitys ihrer Kinder auseinanderzusetzen. War es fr&uuml;her &uuml;blich die Freunde der Kinder kennen zu lernen, um sich ein Bild &uuml;ber sie zu machen, dann hat das heute im Web 2.0 auch weiterhin Geltung.<\/p>\n<p><strong>Was halten Sie von technischen Sperr- und Filterl&ouml;sungen?<\/strong> Zeger: Nichts. Das ist eine Lieblingsspielwiese chinesischer, nordkoreanischer, britischer, franz&ouml;sischer und all jener Politiker, die sich nicht wirklich mit dem Internet auseinandersetzen. F&uuml;r Personen, die tats&auml;chlich etwas zu verbergen haben und &quot;B&ouml;ses&quot; im Schilde f&uuml;hren, sind diese Techniken leicht zu umgehen. &Uuml;berwacht und kontrolliert k&ouml;nnen blo&szlig; jene werden, die im guten Glauben handeln und denen man dann ihre T&auml;tigkeit als &quot;rechtswidrig&quot; oder &quot;unerw&uuml;nscht&quot; vorh&auml;lt. Wenn Eltern eine halbe Stunde gemeinsam mit ihren Kindern in einer Community verbringen, liefert das ein besseres Bild &uuml;ber das Gef&auml;hrdungspotenzial als hunderttausende technische und rechtliche Kontroll- und &Uuml;berwachungsmittel.<\/p>\n<p><strong>Welche Tipps und Ratschl&auml;ge w&uuml;rden Sie den Nutzern in Bezug auf Communitys mit auf den Weg geben? <\/strong>Zeger: Zun&auml;chst einmal sollte man sich sehr genau ansehen, wer der Betreiber der jeweiligen Plattform ist und sich Einblick in dessen Hintergrund und Motivation verschaffen. Es ist zudem sehr sinnvoll, wenn sich User schon vor der Registrierung &uuml;ber die Praxis erkundigen, der sich das jeweilige Portal in puncto Datenschutz oder der L&ouml;schung illegaler Inhalte verschrieben hat. Man sollte genau abw&auml;gen, welche pers&ouml;nlichen Informationen besser nicht der &Ouml;ffentlichkeit preisgegeben werden sollten. User sollten dabei stets im Auge behalten, dass die Communitys B&uuml;hnen sind, in der jeder versucht, sich so darzustellen, wie er es f&uuml;r besonders g&uuml;nstig h&auml;lt. Direkt gelogen wird zwar selten, aber vieles &uuml;bertrieben dargestellt. Das ist aber kein neues Problem. Ein Angeber wird ein Angeber bleiben, egal ob im Netz oder im &quot;realen&quot; Leben.<\/p>\n<p><strong>Es gibt bereits einige Theorien zu einem m&ouml;glichen Nachfolger des Web 2.0. Wie sehen Sie die zuk&uuml;nftige Entwicklung?<\/strong> Zeger: Die Zukunft liegt sicher nicht im Web 3.0, Web-Infinity oder Semantic Web. Am ehesten k&ouml;nnte die zuk&uuml;nftige Entwicklung mit dem Begriff &quot;Web der Dinge&quot; umschrieben werden. Immer h&auml;ufiger interagieren &quot;smarte&quot; Produkte (Kleidungsst&uuml;cke, Haushaltsger&auml;te, Navigationssysteme und pers&ouml;nliche Gegenst&auml;nde wie Brille, Mobiltelefon, Kundenkarten oder Ausweise) direkt miteinander und treffen &quot;Entscheidungen&quot;, die der Besitzer nur mehr beschr&auml;nkt nachvollziehen und kontrollieren kann. In diesem &quot;Web der Dinge&quot; werden wir uns erneut die Frage nach unserem Platz als Gesellschaft mit Anspr&uuml;chen auf Grundwerte und Menschenrechte stellen m&uuml;ssen.  Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch (Quelle: pressetext, Wien, pte\/28.03.2009\/06:10).<span style=\"color: rgb(192, 192, 192);\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><strong>Kunden die dieses Buch bestellten, haben auch dieses gekauft: Web 2.0 von Tom Alby <\/strong>bei <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3446414495\/reisefibelnet-21\" title=\"Zu Amazonbestellung Web 2.0 von Tom Alby\">Amazon<\/a> zu bestellen  <a href=\"http:\/\/wallaby.at\/news\/wp-content\/uploads\/image\/web20-tom-alby.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"190\" align=\"left\" width=\"190\" src=\"http:\/\/wallaby.at\/news\/wp-content\/uploads\/image\/web20-tom-alby.jpg\" title=\"web20-tom-alby\" class=\"alignleft size-medium wp-image-847\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n\n\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\" itemprop=\"text\">\n<p>Privacy-Experte und Buchautor Hans Zeger im Interview Das Web 2.0 und seine unterschiedlichen Auspr&auml;gungsformen wie Social Communitys, Blogs oder Wikis sind mittlerweile aus dem gesellschaftlichen Alltag der Menschen nicht mehr weg zu denken. 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