﻿{"id":318,"date":"2007-05-22T14:37:41","date_gmt":"2007-05-22T13:37:41","guid":{"rendered":"http:\/\/wallaby.at\/news\/ebusiness\/second-life-unternehmen-laufen-hype-blind-hinterher-318.html"},"modified":"2007-05-22T14:37:41","modified_gmt":"2007-05-22T13:37:41","slug":"second-life-unternehmen-laufen-hype-blind-hinterher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wallaby.de\/news\/ebusiness\/second-life-unternehmen-laufen-hype-blind-hinterher-p318.html","title":{"rendered":"Second Life &#8211; Unternehmen laufen Hype blind hinterher"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\" itemprop=\"text\">\n<h2>Web-Marketing-Experte Thomas Gerteis im pressetext-Interview<\/h2>\n<p>Die virtuelle Welt Second Life (SL) ist derzeit in aller Munde. Kaum ein Medium hat den Hype rund um Second Life noch nicht thematisiert. Und auch die Unternehmen haben das virtuelle Paralleluniversum l\u00e4ngst f\u00fcr sich entdeckt und versuchen Profit daraus zu schlagen. Doch was steckt wirklich hinter der boomenden Popularit\u00e4t und wie viel wird am Ende tats\u00e4chlich \u00fcbrig bleiben? pressetext sprach mit dem Web-Marketing-Experten Thomas Gerteis, CEO von <a href=\"http:\/\/www.globalmedia-webmarketing.de\" title=\"Zur Homepage der Webmarketing-Experten von Global Media\" target=\"_blank\">Global Media<\/a>, \u00fcber Fehler von und Chancen f\u00fcr Unternehmen in Second Life.<!--more--><\/p>\n<p><strong>pressetext:<\/strong> Herr Gerteis, Sie beraten unter anderem auch Firmen, die den Schritt in die virtuelle Welt gewagt haben. Was sind die h\u00e4ufigsten Fehler, die Unternehmen begehen, wenn sie in Second Life aktiv werden?<br \/>\n<strong>Gerteis:<\/strong> Was derzeit geschieht, ist ein extremer Hype. Entsprechend schnell werden Unternehmen nerv\u00f6s, wenn sie etwas dar\u00fcber lesen und sie wollen unbedingt auch dabei sein. Man kann also sagen, hier gibt es einen starken Nachahmer-Effekt. Ein Fehler, der nun begangen wird, ist, dass kaum Research betrieben wird. Denn als Werbekanal selbst ist SL im Augenblick gar nicht so geeignet. Schaut man sich die Fakten an, sieht man, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt immer nur zwischen 20.000 und 25.000 User online sind und das ist eigentlich eine extrem geringe Zahl. Da relativiert sich ganz schnell die Power von so einem Kanal. Der typische Fehler, der gemacht wird, ist, dass nicht genug analysiert wird. Viele gehen einfach rein, weil sie ein St\u00fcck von dem Medienhype haben wollen. Begn\u00fcgt sich ein Unternehmen damit, so ist das nat\u00fcrlich in Ordnung, geht es aber tats\u00e4chlich um Pr\u00e4senz bzw. was man vermitteln will, so bedarf es viel mehr Research. Allerdings werden dahingehend von SL derzeit noch sehr wenige Informationen bereitgestellt.<\/p>\n<p><strong>pressetext:<\/strong> Also, was sollten die Unternehmen Ihrer Meinung nach machen, um Second Life erfolgreich zu nutzen?<br \/>\n<strong>Gerteis:<\/strong> In letzter Zeit wurde von vielen Seiten sozusagen schnell geschossen. Die Unternehmen haben nicht genau recherchiert. Man sollte sich aber klar dar\u00fcber sein, wen man erreichen will und was man als Unternehmen \u00fcberhaupt darstellen kann. Funktioniert es \u00fcberhaupt, die Produktpalette oder ein bestimmtes Serviceangebot darzustellen. Die Unternehmen sollten nicht nur blind hinterher rennen. Ich glaube aber, dass sich das momentan auch schon wieder relativiert.<\/p>\n<p><strong>pressetext:<\/strong> F\u00fcr welche Unternehmen eignet sich Second Life grunds\u00e4tzlich als Werbeplattform und welche Branchen sollten lieber die Finger davon lassen?<br \/>\n<strong>Gerteis:<\/strong> Der Knackpunkt ist, dass es momentan noch keine akkuraten Daten \u00fcber SL gibt. G\u00e4be es genauere Daten, w\u00e4re eine Aussage dahingehend nat\u00fcrlich einfacher. Aber um ein Beispiel herauszugreifen: F\u00fcr Finanzdienstleister ist es schon allein aufgrund der rechtlichen Aspekte schwierig, sich in der virtuellen Welt zu bewegen. Vor allem aber wei\u00df eine Bank in SL zum Beispiel nie, wen sie gerade avisiert, handelt es sich um einen deutschen User oder um einen amerikanischen &#8211; das wird f\u00fcr die Bank nicht ersichtlich. Daher reduziert sich eine Pr\u00e4senz in SL derzeit auf eine Werbebotschaft in Form von &#8222;hier sind wir, wir sind im Web 2.0 dabei&#8220;. Aber ein konkretes Produkt &#8211; gerade in der Finanzdienstleistung &#8211; anzubieten ist tricky. Momentan z\u00e4hlt mehr das Branding. Das aber auf E-Commerce herunter zu brechen, davon sind wir noch weit entfernt. Jeder, der das derzeit versucht, l\u00e4sst es ganz schnell wieder fallen, weil die Resultate extrem ern\u00fcchternd sind.<\/p>\n<p><strong>pressetext:<\/strong> W\u00fcrden Sie nun generell sagen, dass Second Life \u00fcberbewertet wird oder steckt dahinter wirklich Potenzial?<br \/>\n<strong>Gerteis:<\/strong> Es hat Potenzial, aber das gilt generell f\u00fcr alle Web-2.0-Angebote. Der letztendliche Punkt, wie sich so etwas kommerziell verwerten l\u00e4sst, ist noch nicht gefunden. Momentan halte ich es in der Tat f\u00fcr \u00fcberbewertet. Es ist eine interessante Spielwiese, aber eine Plattform mit 20.000 Usern ist f\u00fcr einen gro\u00dfen Werbekunden eigentlich irrelevant. Aber dennoch ist der Werbehype da. Man muss abwarten und in einem Jahr sehen, wie sich die Situation entwickelt.<br \/>\nIch glaube, dass virtuelle Welten auf jeden Fall ein gro\u00dfes Potenzial haben. In Asien gibt es auf diesem Gebiet bereits viel weiter entwickelte Beispiele. Dort findet man einen viel st\u00e4rker fragmentierten Markt. Es gibt nicht eine virtuelle Welt, sondern viele verschiedene &#8211; eine f\u00fcr Technik, eine f\u00fcr Sport, eine f\u00fcr Hobbies und so weiter. Das ist dann auch f\u00fcr Werber eine sch\u00f6nere Geschichte, weil sie eine absolute Target-Group vorfinden, ein spezialisiertes Publikum. In Second Life hingegen sind die Streuverluste sehr gro\u00df. Viele Unternehmen wissen oft gar nicht, was sie genau tun sollen.<\/p>\n<p><strong>pressetext:<\/strong> So schnell der Hype um Second Life entstanden ist, so schnell scheint sich aber auch Entt\u00e4uschung bei den Unternehmen breit zu machen. Wie sehen Sie das?<br \/>\n<strong>Gerteis:<\/strong> Die Leute kommen v\u00f6llig \u00fcbermotiviert in Second Life hinein. Viele kommen, weil sie denken, sie verpassen sonst etwas. Und dann stellen die Unternehmen h\u00e4ufig pl\u00f6tzlich fest, dass sie eigentlich gar nichts verkaufen bzw. zu wenig verkaufen. Zudem gab es in letzter Zeit auch einiges an negativer Presse \u00fcber SL. Wenn beispielsweise von Kinderpornografie die Rede ist, dann verabschieden sich gro\u00dfe Brands nat\u00fcrlich ganz schnell wieder.<\/p>\n<p><strong>pressetext:<\/strong> F\u00fcrchten die Unternehmen um ihr Image bzw. welchen Einfluss hat SL generell darauf?<br \/>\n<strong>Gerteis:<\/strong> Einerseits bekommen Firmen in Second Life das Image der Innovationsf\u00fchrung &#8211; wie vorhin angesprochen nach dem Motto &#8222;Dabei sein, wo etwas Neues passiert&#8220;. Andererseits gibt es eben die angesprochenen Schattenseiten. Dabei spielt auch die Anonymit\u00e4t solcher Plattformen eine Rolle, weil man nicht nachvollziehen kann, mit wem man es tats\u00e4chlich zu tun hat. Und nat\u00fcrlich, sobald Dinge wie Kinderpornografie oder andere negative Seiten &#8211; etwa Gewalt &#8211; ins Spiel kommen, wird es f\u00fcr die Unternehmen gef\u00e4hrlich. Momentan gibt es quasi ein gespaltenes Image. Wobei allein die Tatsache, dass diese Schattenseiten \u00fcberhaupt hervorgetreten sind, sich sehr negativ auswirkt. Es w\u00e4re besser gewesen, die heile Welt h\u00e4tte weiter existiert. Darum wei\u00df ich auch nicht, ob SL die letztendliche Spielform bleiben wird. Ich denke, es werden viele andere kommen, die dann auch aus den Fehlern von Second Life lernen werden. Zum Beispiel, dass Sicherheitssysteme eingezogen werden, damit so was nicht mehr passiert. SL ist momentan als Unternehmen und als Organisationsform komplett \u00fcberrannt. Die Organisation selbst muss noch stark wachsen.<\/p>\n<p><strong>pressetext:<\/strong> Ausgehend von idealen Bedingungen, wie soll sich ein Unternehmen innerhalb von Second Life bewegen und <strong>damit umgehen?<br \/>\nGerteis:<\/strong> Ich w\u00fcrde Unternehmen immer die Empfehlung geben, zu einer Agentur zu gehen, die sich damit auskennt. Fakten sammeln, alles auf ein neutrales Niveau bringen und abkl\u00e4ren, ob man als Unternehmen \u00fcberhaupt da hinein will und welche Erwartungen man hat. Es geht haupts\u00e4chlich um Branding. Also muss \u00fcberlegt werden, wie stelle ich mich dar, wie gro\u00df mache ich meinen Auftritt, wie gro\u00df gestalte ich den Medienhype drumherum. Wichtig sind zun\u00e4chst die ganz normalen Skalierungsfragen, die abh\u00e4ngig sind vom Budget und dem Willen der Company, das alles ernsthaft zu betreiben.<\/p>\n<p><strong>pressetext:<\/strong> K\u00f6nnen in SL Zielgruppen erreicht werden, an die ein Unternehmen sonst nur schwer herankommt?<br \/>\n<strong>Gerteis:<\/strong> Ich vermute es. Aber wie gesagt, haben wir nur wenige Informationen \u00fcber soziodemographische Daten. Wenn man sich SL heute ansieht, dann muss man einen Durchschnitt wie in der normalen Bev\u00f6lkerung annehmen. Da sind auch Randgruppen mit dabei, in welcher Dimension, das kann man derzeit nicht beantworten.<\/p>\n<p><strong>pressetext:<\/strong> Wie kann der Erfolg in SL \u00fcberhaupt nachgewiesen bzw. gemessen werden? Kann ein Unternehmen \u00fcberblicken, ob es die richtigen Ma\u00dfnahmen getroffen hat?<br \/>\n<strong>Gerteis:<\/strong> Man kann den Erfolg messen. Zun\u00e4chst liefert Second Life immerhin die Daten dar\u00fcber, wie viele User sich im Durchschnitt zu einer bestimmten Zeit auf der Plattform befinden. Zahlen dar\u00fcber, wie viele Leute gerade an einer bestimmten Insel oder einem bestimmten Shop vorbeigehen, werden derzeit noch nicht geliefert. Da muss man dann schon sehr stark herunter brechen. Wenn es um Werbebotschaften geht, die durchgeklickt werden k\u00f6nnen, dann z\u00e4hlen nat\u00fcrlich die \u00fcblichen Tracking-Methoden. Man kann in jedes Werbemittel einen Tracker einbauen, der dem Unternehmen dann sofort nach einem Klick die betreffenden Informationen \u00fcbermittelt.<\/p>\n<p><strong>pressetext:<\/strong> Welche Prognose w\u00fcrden Sie nun in Anbetracht aller besprochenen Komponenten f\u00fcr die Zukunft von SL abgeben?<br \/>\n<strong>Gerteis:<\/strong> Das Medium Virtuelle Welten ist generell &#8211; auch abseits von SL &#8211; sehr interessant. Wir bei Global Media glauben aber daran, dass es in Zukunft st\u00e4rker fragmentiert sein wird und dass es themenspezifische Welten auch in Europa geben wird. Dann kommt es auch auf den Betreiber an, wie professionell die Plattform gef\u00fchrt wird, welche Daten er zur Verf\u00fcgung stellen kann. Man muss dem Werber diese Rahmenbedingungen geben. Noch sind wir in den Kinderschuhen, aber die Halbwertszeiten in dem Medium sind kurz. Wir sprechen hier also nicht von Jahren, sondern ich denke, dass sich in den n\u00e4chsten zw\u00f6lf bis 24 Monaten sehr viel tun wird.<\/p>\n<p><strong>pressetext:<\/strong> Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch (<a href=\"http:\/\/www.pressetext.de\/pte.mc?pte=070519003\" title=\"pressetext interviewt Gerteis Thomas\" target=\"_blank\">pressetext.deutschland<\/a>, M\u00fcnchen, 19.05.2007).<\/p>\n\n\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\" itemprop=\"text\">\n<p>Web-Marketing-Experte Thomas Gerteis im pressetext-Interview Die virtuelle Welt Second Life (SL) ist derzeit in aller Munde. Kaum ein Medium hat den Hype rund um Second Life noch nicht thematisiert. Und auch die Unternehmen haben das virtuelle Paralleluniversum l\u00e4ngst f\u00fcr sich entdeckt und versuchen Profit daraus zu schlagen. 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