Handys im Museum – Bitte anschalten!

Centre Georges Pompidou lässt Besucher Kunst per Mobiltelefon kommentieren

Mit „Ligne de temps“ bittet das Centre Georges Pompidou in Paris ab 1. Dezember in einer ersten öffentlichen Testreihe seine Besucher, die Handys eingeschaltet zu lassen und Ausstellungen über mobile Videos zu kommentieren (taggen). Vom Geist des Web 2.0 erfasst, wagt das Institute of Research and Innovation (IRI) der großen Kulturinstitution, das bereits seit 20 Jahren mobile Praktiken erforscht, mit diesem Projekt an die Öffentlichkeit zu gehen. „Es geht nicht nur um user generated content oder den Kontext von Web 2.0, sondern um Media Enrichment durch den Amateur“, erklärt Vincent Puig, Forscher am IRI, im Gespräch mit pressetext.

Im Zentrum von „ligne de temps“ stehen Filme, aus denen die Besucher mit ihrem Handy einzelne Szenen herausfotografieren. Diese Szenen werden auf eine Webseite hochgeladen, wo sie mit weiteren Kommentaren, etwa mit der Stimme des Besuchers synchronisiert werden. Auf diese Weise entstehen hypermediale Kommentarstränge, ähnlich wie bei Blogs, die jedoch nur textuell sind. „Die Innovation hier ist, dass Anmerkungen nicht nur auf fixe Bilder beschränkt bleiben, sondern der Eindruck einer einzelnen Szene eingefangen werden kann“, betont Puig.

Auch ein Business-Modell schwebt den Erfindern von „ligne de temps“ bereits vor. „Wir glauben an das Video-on-Demand-Prinzip, bei dem die Filme mit Anmerkungen von Usern als Bonusmaterial angereichert sind“, sagt Puig. Dies sei jedoch noch Zukunftsmusik, denn der Markt sei aufgrund des noch zu geringen Angebotes nicht reif dafür.

Die Erfahrungen der ersten Testdurchläufe von „ligne de temps“ während der Samual-Beckett-Ausstellung im Centre Pompidou, die Montag zu Ende ging, seien äußerst positiv gewesen. „Von der Öffentlichkeit bis hin zu den Museumsmanagern waren alle durchwegs begeistert von dem Projekt“, bemerkt Puig. Interessiert zeigen sich insbesondere Teilnehmer des Pocket Film Festival, das dieses Jahr zum dritten Mal Anfang Juni abgehalten wurde. Bei diesem speziellen Filmfestival werden kurze Filme, die auf Handys festgehalten wurden, in mehreren Kategorien ausgezeichnet. „Bei dem Festival geht es darum, neue Formate für Inhalte zu erfinden, die speziell ein passendes Design für das Handy haben“, so Puig. Dieses Jahr langten über 300 mobile Video-Kurzfilme beim Pocket Film Festival ein (pressetext.austria, Paris, 26.06.2007).


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says:

Cool. Würde ich mir für deutsche Museen auch wünschen, so könnte man vllt. per Bluetooth oder Infarot mit dem Handy entsprechende Informationen abrufen oder eigene Hinweise hinterlassen.

So eine technische Änderung bzw. Einführung würde sicherlich auch einigen Jugendlichen das Museum wieder etwas schmackhafter machen.