User als Hürde bei Googles Netbook Betriebssystem

Chrome OS muss gegen starken Windows-Namen antreten

Nachdem Linux die Schlacht um den Netbook-Markt offenbar an Windows verloren hatte, hat Google letzte Woche mit dem „Chrome OS“ einen neuen Linux-basierten Herausforderer gegen Microsoft in den Ring geschickt. Doch der Durchschnittsuser könnte sich als entscheidende Hürde für Chrome OS entpuppen. „Bei Netbooks geht es den Leuten um drei Dinge: Preis, Stil und Betriebssystem“, meint Eszter Morvay, Senior Research Analyst, European Personal Computing von IDC, gegenüber pressetext. Im PC-Betriebssystem-Bereich gibt es aber nur einen wirklich bekannten Namen: Windows. Auch beim Marktforschungsunternehmen iSuppli sieht man diese Tatsache als mögliches Hindernis für Googles Netbook-Attacke. „Googles Lauch des Chrome-Browsers war ein…

Vorkampf in der Schlacht gegen Microsoft, ein Angriff auf den Marktführer Internet Explorer“, meint Matthew Wilkins, Principal Analyst Compute Platforms Research bei iSuppli. „Doch mit der PC-Betriebssystemversion von Chrome läutet Google den Hauptkampf ein.“ Denn das Netbook-Betriebssystem ist ein direkter Angriff auf eine von Microsofts wichtigsten Einnahmequellen und kommt knapp vor dem Start von Windows 7, dem vielversprechendsten Microsoft-Betriebssystem seit Jahren, so der Analyst.

Allerdings steht Google ein harter Kampf bevor. Linux habe keine technischen Mängel, die zum geringen Marktanteil bei Netbooks führen. „Vielmehr leidet das Betriebssystem darunter, dass es keine Linux-Marke gibt, die gegen Microsofts starke Marke im PC-Markt ankommt“, sagt Wilkins. Kunden würden sich für den ihnen bekannten Namen entscheiden. „Ich wäre überrascht, wenn Durchschnittskunden beispielsweise Android wirklich kennen würden“, meint wiederum Morvay. Angesichts der Chrome-Ankündigung bleibt nun abzuwarten, wie viele Hersteller tatsächlich Netbooks auf Basis des Smartphone-Betriebssystems realisieren werden. Fest steht in den Augen der Analysten jedenfalls, dass auch Chrome damit zu kämpfen haben wird, dass dem normalen Anwender nur Windows vertraut ist.

„Damit Google Erfolg hat, muss es seine Marke so promoten und positionieren, dass sich auch Kunden ohne große Computerkenntnisse dabei wohlfühlen, ein Netbook mit diesem Betriebssystem statt einem von Microsoft zu kaufen“, sagt Wilkins. Google müsse Abkommen mit OEMs schließen, damit Chrome direkt mit den Netbooks ausgeliefert werde, heißt es bei iSuppli. Denn die Notwendigkeit eines digitalen Downloads und einer Selbstinstallation würden nicht den Fähigkeiten des durchschnittlichen Netbook-Users entsprechen. Allerdings müsste es für einen langfristigen Erfolg entsprechend viele OEM-Verträge geben. Morvay warnt davor, selbst solche Unterstützung überzubewerten. „Wenn ein OEM einen Chrome-Kanal und dutzende Windows-Kanäle anbietet, hilft das Chrome wenig“, erklärt die Analystin. Die Netbook-Geschichte untermauert diese Ansicht. Denn obwohl Linux seit Asus erstem EeePC als Netbook-Betriebssystem angeboten wurde, gab es letztendlich keinen Linux-Boom – vielmehr haben taiwanesische Marktforscher im März vorausgesagt, dass Linux 2009 selbst bei Netbooks wieder auf zehn Prozent Marktanteil schrumpfen wird (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090319037/).
El Segundo (pte/13.07.2009/11:35)


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